Nicas der Haflinger



Gestatten – Mein Name ist Nicas – der Haflinger

 

 

Ich bin 1993 im Stall von Res und Gabi Egli in Russikon zur Welt gekommen. Dort verbrachte ich mit ein paar anderen Artgenossen drei meiner schönsten Jahre. Auf der Alp im Zürcher Oberland begegnete ich meinen Zweibeiner das erste Mal. Wie ich später vernommen habe, heisst er Hansruedi. Ich hatte den Eindruck, dass er auf der Suche nach einem Partner war und da ich noch nicht vergeben war, und der eher kleine Mann gut zu mir passen würde, habe ich mich dann auch wirklich für ihn entschieden. Offenbar hat meine Präsentation gewirkt – nachdem ich schon wieder im Stall Egli’s war, kam er immer wieder und besuchte mich. Es war eine schöne Zeit, obwohl – seine Übungen am langen Seil waren eher etwas nervig, bis ich dann begann zu verstehen, was er von mir wollte – zurücktreten, weichen und so weiter. Eines Tages kam er mit einem riesigen Gefährt, öffnete die hintere Tür und bat mich einzusteigen. Da er sich bis anhin doch sehr anständig benommen hat, hatte ich auch Vertrauen zu ihm und stieg ein. Als die Türe dann geschlossen wurde, war mir allerdings etwas mulmig zu Mute. Auch das Schaukeln und Rumpeln war sehr gewöhnungsbedürftig und ich war froh, als das Gefährt anhielt und ich wieder aussteigen durfte. Ich war nun an einem neuen Ort – in der Sängi in Wila. Dort war schon ein anderes Pferd, es gehörte Nicole, der Tochter von Hansruedi. Valentinu oder schlicht Vali war ein netter Geselle, ausser wenn es um Fressen ging, da war er der Chef und er hat es immer und immer wieder gezeigt. Etwas später kam dann noch Njuri, auch ein Haflinger und eine wirkliche Gemütsmorchel zur Truppe. Von Zeit zu Zeit legte mir Hansruedi ein Eisenstück an dem noch Lederriemen angebunden sind in den Mund, band ein Gestell auf meinen Rücken und setzte sich darauf. Er nennt es Reiten. Dann ging’s los mit ziehen an den Ledern und Klopfen mit den Schenkeln. Was zum Teufel soll das! Aber offenbar wollte er mir irgendetwas mitteilen und mit der Zeit habe dann begriffen, was er wollte – ziehen an einem Leder und Schenkel auf gleicher Seite heisst auf die Seite treten. Beide Schenkel zusammendrücken heisst Vorwärts, aber wenn dann noch an den Ledern gezogen wird heisst es Rückwärts. Nun, da Hansruedi sonst ja wirklich ein lieber Kerl ist, tue ich ihm den Gefallen, als ob es mir auch Spass macht. Nachdem diese Übungen auch wirklich funktioniert haben, fuhren wir auf Plätze, wo noch andere Reiter auftauchten und dann machten alle Reiter abwechslungsweise immer die gleichen Übungen, irgendwann habe ich dann das Wort Gymkhana aufgeschnappt. Aber Hansruedi ist wahrlich kein Turniermensch, wie war der immer aufgeregt vor dem Start, kaum zum Aushalten. Mir hat es jeweils Spass gemacht. Zum Beispiel vor einem grossen Strohballen zu stehen und zu fressen, während Hansruedi versucht Tüchlein, Teller und Besteck schön hinzulegen. Aber da ich halt wieder einen appetitlichen Strohhalm am anderen Ende des Ballens entdeckt habe, kam er irgendwie nicht so recht vorwärts. Auf jeden Fall hat er sich später aus dem Turnierleben verabschiedet. Mir war’s auch recht. Was dann folgte war für mich bedeutend interessanter. Zweimal konnten wir Ferien im Bündnerland machen und haben verschieden Berge und Pässe zusammen mit vielen Anderen erklommen. Eines Tages fiel mir auf, dass Hansruedi nicht mehr gerne ritt, er hat offenbar starke Knieschmerzen. Und so kam es, dass plötzlich ein vierrädriger Wagen auf dem Hof stand. Ich wurde schon früher von Res Egli vor dieses Transportmittel gespannt und wusste was nun kam. Wir verabschiedeten uns langsam aber stetig vom Reiten und verbrachte unsere Zeit mit Fahren. Auch da wollte Hansruedi an Turnieren teilnehmen, aber die Wagonette war zu schwer und zu gross. Also stand eines Morgens ein niedlicher Spider in der Remise. Das war nun super mit diem Gefährt herum zu Reisen. Selbst nach Dalaas im Klostertal hat es gereicht! Hansruedi hat Reiselust bekommen und wir sind mit weiteren Kollegen durch den Schwarzwald, durchs Allgäu und durch die Freibergen gezogen. War das eine herrliche Zeit. Und ich hoffe doch, dass Hansruedi noch nicht genug bekommen hat vom Entdecken anderer Regionen. Ich auf jeden Fall fühle mich mit meinen nahezu 20 Jahren noch fit genug um an solchen Fahrten teilzunehmen. Alles Weitere übe meinen Werdegang, unsere Ausflüge, meinem Zuhause und über unsere Kutschen findest Du auf dieser meiner Homepage.

Viel Vergnügen!

 Dein Nicas



Previous page: Meine Pferde
Next page: Abstammung